Paranoide Väter?

Männlich oder weiblich? Das ist hier die Frage.

Bild: film-jeunehomme.ch

Kann ein Mann ein guter und verlässlicher Babysitter sein?

In der Schweizer Komödie „Jeune Homme“ wagt der 18-jährige Sebastian ein Abenteuer, dem zwar nur die wenigsten Männer gewachsen sind, das er aber mit Bravour meistert – ungeachtet seines Geschlechts.

Nichtsdestotrotz hält sich die diffuse Angst vor männlichen Kinderbetreuern. Vor allem bei Vätern. Und um genau diese Angst sowie um Schuld, Verantwortung und Schicksal geht es im neuen Stück von Lukas Bärfuss „Malaga“:

„Vera und Michael haben eine gemeinsame 7-jährigen Tochter Rebekka. Das Paar lebt getrennt. Vera möchte mit ihrem Liebhaber nach Malaga, Michael zu einem wichtigen Kongress nach Innsbruck. Das Pech des Paares: Ihr Babysitter ist krank. Ersatz findet Vera im 19-jährigen Alex, dem Sohn einer Freundin. Für Michael ist das inakzeptabel. Sie streiten. Doch letztlich tut jeder, was ihm wichtiger ist. Sie gehen. Und wenn sie zurückkommen, ist ein Unglück passiert. Etwas, das Michael recht gibt.»

Die Première des Stücks findet am 09.05.2010 im Schauspielhaus statt.

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Der Intellektuelle, der nicht in der Sek war

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Lukas Bärfuss ist eine der meistbeachteten intellektuellen Stimmen der Schweiz. «Malaga», sein neuestes Stück, wird am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. Ein Gespräch.

Aussergewöhnlicher Werdegang: Lukas Bärfuss,  international gefeierter Theaterautor.

Aussergewöhnlicher Werdegang: Lukas Bärfuss, international gefeierter Theaterautor.

Das Stück

Lukas Bärfuss, «Malaga», Regie: Barbara Frey, Uraufführung: Schauspielhaus Zürich, 9.Mai, 19 Uhr.
www.schauspielhaus.ch

Stichworte

Matura, Lehre als Buchhändler, Schriftsteller: Das ist seine Berufsbiografie laut Onlinelexikon. Doch sie ist falsch. Lukas Bärfuss sitzt an einem Tisch auf der Dachterrasse des Zürcher Restaurants Terroir und sagt seinem Gegenüber: «Don’t trust Wikipedia!» Richtig in diesem Lebensabriss ist, dass Lukas Bärfuss 1971 in Thun geboren wurde und als Schriftsteller mit seiner Familie in Zürich lebt.

Sein Schul- und Berufsleben aber ist viel komplizierter. Lukas Bärfuss zählt auf. «Neun Jahre Primarschule. Keine Sek.» Dann wird gejobbt. Man trifft den Schulabgänger als Tabakbauern, Eisenleger, Gärtner. Dazwischen wird der «enorme Bildungshunger» gestillt. «Lesen», sagt Lukas Bärfuss und nennt das Wort gleich dreimal. Eine Wende kam mit zwanzig. Lukas Bärfuss übernimmt in Bern die Leitung der Comicabteilung einer Buchhandlung. Später wechselt er in eine literarische Buchhandlung, macht das Buchhändler-Diplom. Seither nennt er sich Schriftsteller.

Ausgezeichneter Autor

Die Anfänge liegen bei der Off-Gruppe 400asa. Etablierte Häuser wurden auf den Jungdramatiker aufmerksam. 2003 ernannte ihn die Zeitschrift «Theater heute» zum «Nachwuchsdramatiker des Jahres». Das war der Durchbruch. 2005 erhielt Bärfuss für «Der Bus» den Mühlheimer Dramatikerpreis. 2008 erschien sein erster Roman «Hundert Tage». Lob und Auszeichnungen auch für das Prosadebüt. Bärfuss’ neuestes Stück heisst «Malaga». Uraufgeführt wird es am Schauspielhaus Zürich, wo Bärfuss als Hausautor («ein schrecklicher Begriff!») und Dramaturg angestellt ist. Regie führt die Hausherrin Barbara Frey. Die Lektüre bewahrheitet, was der «Spiegel» von Bärfuss behauptet hat: Er sei «der heisseste Lieferant heutiger Stoffe».

«Malaga» erzählt von Vera und Michael und ihrer 7-jährigen Tochter Rebekka. Das Paar lebt getrennt. Vera möchte mit ihrem Liebhaber nach Malaga, Michael zu einem wichtigen Kongress nach Innsbruck. Das Pech des Paares: Ihr Babysitter ist krank. Ersatz findet Vera im 19-jährigen Alex, dem Sohn einer Freundin. Für Michael ist das inakzeptabel. Sie streiten. Sie fallen sich ins Wort. Doch letztlich tut jeder, was ihm wichtiger ist. Sie gehen. Und wenn sie zurückkommen, ist ein Unglück passiert. Was, erfährt der Leser nicht, und nachfragen hilft auch nicht. «Ich weiss es auch nicht», sagt Bärfuss, «irgendetwas, was Michael recht gibt.»

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