Wo bleiben die Räbeliechtli?

"Räbeliechtli, Räbeliechtli, wo gahsch hii?" - Bild: Angels Book

"Räbeliechtli, Räbeliechtli, wo gahsch hii?" - Bild: Angels Book

Der Valentinstag und Halloween gehören zu den polarisierenden Festen. Für die einen stellen sie eine nicht weiter zu hinterfragende Gelegenheit dar, zusätzlich zu feiern. Für die anderen sind sie schon fast des Teufels, weil sie auf heidnisches Brauchtum zurückgehen sollen, vom angelsächsischen Raum nach Europa übergeschwappt sind und kommerzielle Zwecke verfolgen. Geldmacherei hin oder her – mein Mann und ich würden noch so gerne Valentin feiern, doch in unserem Familienplaner bleibt vor lauter Romantik hemmenden Terminen kein Platz übrig für solche Einträge.

Auf Halloween hingegen könnten wir verzichten. Aber ausgerechnet damit werden wir uns als Familie wohl anfreunden müssen. Als noch unerfahrene und daher unvorbereitete Gabenspenderin wurde ich also letzten Samstagabend an der Haustür mit einer Bande von Hexen und Skeletten konfrontiert. «Hüt isch Halloween!» – «Ja, und? Was isch dänn?» «Sie müend eus öppis Süesses geh! Swiits or Triits!» – «Hä? Ja? Aber ich han nüt!» «Dänn müemmer Sie halt plage!» – «Momänt, ich glaub, ich han doch öppis.» Ich hole eine Tafel rabenschwarzer Kochschokolade aus der Küche und stecke diese flink und unter Beihilfe der Dunkelheit unerkannt in den Gabensack der Oberhexe. «Sie, mir sind im Fall z achte!» «Aso ’tschuldigung, dänn müender halt mitenand t-e-i-l-e. Oder muen ich das uf Änglisch säge, dass ihrs verstönd?»

Also wirklich! Ich frage mich, ob die Übertragung eines Festes auf einen anderen Kulturkreis ohne weiteres möglich ist. Bei mir steigt auf jeden Fall sofort die Vorfreude auf den anstehenden guten alten Räbeliechtliumzug. Da weiss man noch, woran man ist. Fröhliche Kinder singen bei aamächeligem Kerzenlicht zwar etwas altmodische, dafür harmlose Lieder und dies erst noch auf Schwiizertüütsch. Ohne Drohungen, ohne Bestechungen. Und nach dem Umzug gibts weder Kürbisse noch Süsses und schon gar nicht Saures. Sondern einfach nur Wienerli und Brot!

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